Blader met volstrekte willekeur door het Zomp Magazine archief uit de jaren nul (2002-2008).
Digitally Remastered!

Der Sessel

Der Sessel steht in der Wohnzimmerecke. Er hat ein verblasstes Blumenmuster. Man kann von einer Blume zur nächsten gucken, über den ganzen Sessel. Es ist ein sehr großer Sessel. So ein Ohrensessel mit hoher Lehne. Als Kind bin ich regelrecht in ihm versunken. Ich erinnere mich, wie ich mich hochgezogen habe, und wie die Füße kurz in der Luft hingen, bevor ich sicher auf der Sitzfläche war. Wenn ich mich dort hingestellt habe, konnte ich nur auf Zehenspitzen über die Lehne schauen. Das war vor Papas Krankheit. Der Sessel steht in meiner Erinnerung genau so unverwüstbar in einer Ecke wie in unserem Wohnzimmer. Ich erinnere mich sogar deutlicher an ihn als an Jonas damals. Ich durfte nicht weitersagen, dass Jonas manchmal heimlich ferngesehen hat, dass weiß ich noch. Und ich erinnere mich an seine Konfirmation und dass ich neidisch war auf all die Geschenke und auf die Kinder, die sie vorbeibrachten und für die ein großer Korb mit Süßigkeiten bereit stand. Der Sessel war schon lange vor mir da. Mama erzählt gerne die Geschichte, wie Papa ihn eines Tages vom Sperrmüll mitbrachte. Er sah schon genauso alt aus wie jetzt, sagt sie, und dass es für ihn eigentlich keinen Platz in der Wohnung gab. Sie hätte sich darauf eingelassen, weil sie dachte, dieses marode Ding halte eh nicht lange. Sie hatte Unrecht, der Sessel hat gehalten. Er ist immer noch da. Ich glaube, sie nimmt es ihm übel.